Rezension
Hans-Jürgen Homann
Praxishandbuch Filmrecht
1. Aufl.
Preis:    39,95 €, 288 Seiten
Erschienen: 2001
ISBN 3-540-41689-7
Springer Verlag
Benotung: 8 von 10 Punkten

Überblick über urheberrechtliche Probleme im Filmrecht

Wie Hans-Jürgen Homann im ersten Satz seines Buches "Praxishandbuch Filmrecht" schreibt, gibt es das Filmrecht als solches nicht. Recht hat er. In der Praxis besteht aufgrund der Fülle der einschlägigen Normen teilweise große Unsicherheit, wem welche Rechte zustehen. Viele im Filmgeschäft Beschäftigte - worunter auch die Angestellten bei (Zweit-)Verwertern zählen - haben zudem keine juristische Ausbildung und müssen aufgrund des großen wirtschaftlichen Drucks Entscheidungen treffen, ohne zuvor juristischen Rat einholen zu können. Zwar sind fast immer Juristen vor Ort beschäftigt; diese können sich aber meist nur um die Großprojekte kümmern, so dass viele Mitarbeiter alleine dastehen. Hinzu kommen die freien Kreativen, die schon aus finanziellen Gründen oft den Gang zum juristischen Profi scheuen und sich selbst über ihre Rechte aufklären müssen, um bei Vertragsschluss nachher nicht mit (fast) leeren Händen dazustehen. Darüber hinaus besteht für Filmschaffende die Gefahr, für ein Filmprojekt erforderliche Rechte zu übersehen bzw. in fremde Rechte rechtswidrig einzugreifen, so dass eine Produktion aufgrund hoher Nach- bzw. Schadensersatzforderungen unrentabel oder gar zur Gänze verhindert wird.

Homann, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Urheber- und Medienrecht, hat sich in seinem vergleichsweise knappen Werk das Ziel gesetzt, all denen einen rechtlichen Ratgeber an die Hand zu geben, die an der Produktion und Verwertung eines Films beteiligt sind. Für Justitiare sowie Rechtsanwälte ist die Darstellung allerdings zu wenig abstrakt und auch nicht umfassend genug, es sei denn, ein materiefremder Jurist sucht einen schnellen Einblick. Alle anderen bekommen einen guten, weil in einer für Praktiker recht plakativen Sprache geschriebenen Leitfaden, wobei nicht verheimlicht werden kann, dass es um rechtliche Fragestellungen geht, was Nicht-Juristen teilweise als etwas "dröge" empfinden mögen. Dabei kann es nicht Ziel des Buches sein, als Nachschlagewerk zu dienen. Vielmehr schärft die Lektüre das Problembewusstsein und deckt unerwartete Fallen in Bereichen der Produktion und Verwertung auf. Das Buch sollte denn auch in "einem Rutsch" gelesen werden. Dies fällt aufgrund der Struktur und Gliederung auch nicht besonders schwer. Homann unterteilt die Kapitel nämlich erst einmal grob in drei Abschnitte: Die Stoffentwicklung: Von der Idee zum Drehbuch, Die Produktion: Vom ersten Drehtag zum Final Cut, Die Auswertung: Vom Festival zum Weltvertrieb. Innerhalb dieser Abschnitte wird dann jeweils gefragt, welche Rechte der Kreative hat, welche fremden Rechte er bei der Umsetzung beachten muss und schließlich wie ein entsprechender Vertrag zu gestalten ist. Im letzten Teil findet sich sogar ein kleiner Exkurs zur Insolvenz von Lizenznehmer/Lizenzgeber und seinen Folgen.

Homann konzentriert sich dabei insgesamt auf deutsches Urheberrecht, wobei aber zwischendurch auch kurz auf wettbewerbsrechtliche Fragestellungen eingegangen wird und am Schluss auch eine markenrechtliche Betrachtung beim Thema Auswertung des Films nicht zu kurz kommt. Es werden auch immer wieder kurze Hinweise auf US-amerikanische Besonderheiten und Ausdrücke (z. B. das in der Praxis überaus wichtige "Synch-Right", was im deutschen Recht als "Filmherstellungsrecht" bezeichnet wird) gegeben, die in der Praxis von großer Bedeutung sind, aber ansonsten ist nationales Recht vorherrschend. Eine Publikation wie die vorliegende ist anders auch gar nicht machbar; der Rahmen würde bei Weitem gesprengt. Dem Leser sollte jedoch bewusst sein, dass zunehmend internationale Berührungspunkte eine Rolle spielen und das Urheberrecht als sog. universelles Recht an Staatsgrenzen nicht halt macht. Dies betrifft insbesondere Aspekte der Verwertung.

Da das Buch bereits 2001 erschienen ist, konnte das Gesetz zur Stärkung der vertraglichen Stellung von Urhebern und Leistungsschutzberechtigten, das am 01.07.2002 in Kraft getreten ist, nicht mehr berücksichtigt werden. Homann hat aber die seinerzeit veröffentlichten Entwürfe des Gesetzes für die im Filmgeschäft relevanten Bereiche eingearbeitet.

Im Einzelnen wird dem Leser das für die Urheber und Leistungsschutzberechtigten sowie Verwerter interessante Urheberrecht in fast allen Aspekten dargestellt. Dabei wird nicht lehrbuchartig vorgegangen, sondern die Problematik wird immer streng dort erörtert, wo sie relevant wird. Ausgehend von einem anschaulichen Beispielsfall, der häufig auch chronologisch weitergesponnen wird, legt Homann die bestehenden Schwierigkeiten dar und beschreibt die Lösungen von Literatur und Rechtsprechung, die nicht selten konträr sind. Dabei lässt Homann in offenen Fällen seine eigene Meinung einfließen, so dass der Leser selten mit einem Problem allein gelassen wird.

Negativ fallen lediglich ein paar Kleinigkeiten auf, die den guten Gesamteindruck des Buches aber nicht zerstören können. Beispielsweise kommt Homann auf Seite 246 auf das im Urheberrecht wichtige Problem der Geltung des Abstraktionsgrundsatzes zu sprechen. Dabei stellt er diese Fragestellung zunächst als stark umstritten dar, bildet aber sogleich eine herrschende Meinung heraus, um im nächsten Satz festzustellen, dass das Abstraktionsprinzip im Urheberrecht nach "allgemeiner Ansicht keine Anwendung (findet)". Einen Absatz später wird dann jedoch die Gegenansicht erörtert. Schade ist auch, dass das Werk nicht mit Randnummern versehen wurde. Bei einem Verweis des Autors auf eigene Abschnitte werden nur Kapitel und Gliederungspunkt angegeben, was das Auffinden der zitierten Passage unnötig erschwert.

Gesamtergebnis:
Die Lektüre ist für Leser ohne tiefere Vorkenntnisse zu empfehlen, die einen ersten Eindruck von rechtlichen Fragestellungen rund um die Produktion und Verwertung eines Filmes gewinnen wollen. Für Justitiare und Rechtsanwälte aus der Branche wird zwar nichts Neues geboten. Kreative aus dem Filmbereich sollten dieses Buch durcharbeiten, um sich ihrer rechtlich starken Position bewusst zu werden und diese gewinnbringend einzusetzen. Denn wenn schon bei der Vertragsgestaltung Ordentliches vereinbart wird, müssen später keine teuren und kräftezehrenden Nachverhandlungen geführt werden.

Eine Rezension von RA Thomas Grave


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