Rezension
Frank Fechner
Medienrecht
3. Aufl.
Preis:    19,90 €, 373 Seiten
Erschienen: 2002
ISBN 3-8252-2154-7
Mohr Siebeck
Benotung: 10 von 10 Punkten

Führendes Buch zur Querschnittsmaterie Medienrecht

Gerade Anfänger setzen das Gebiet des Medienrechts häufig gleich mit dem des Online-Rechts. So wird davon ausgegangen, dass es sich lediglich um zwei unterschiedliche Wörter handelt, in der Sache jedoch das gleiche gemeint ist. Erst bei einem Blick in das Lehrbuch offenbart sich der Irrtum. Denn Medienrecht ist stofflich weitaus mehr als nur Online-Recht.

Im Jahresturnus legt Frank Fechner, Professor an der TU Illmenau, nunmehr schon die 3. Auflage seines Werkes vor. Dies zeigt zum einen die besondere Qualität dieses Werkes, zum anderen offenbart es das große Interesse an diesem Themengebiet.

Mag der Band noch in den vorherigen Auflagen sich überwiegend an den studentischen Kreis gerichtet haben, hat sich dies spätestens mit der Neuauflage geändert. Die Abhandlungen von Fechner sind, nicht zuletzt wegen ihres wirklich umfassenden Gehaltes, auch für den Praktiker gewinnbringend und hilfreich.

In der aktuellen Auflage wurde neben den grundlegenden zivilrechtlichen Änderungen (Schuldrechts- und ZPO-Reform) die Änderungen durch das reformierte Teledienstegesetz, den Medienstaatsvertrag und das Signaturgesetz berücksichtigt.

Der Band beginnt mit einer allgemeinen Einführung in den Inhalt und die Bedeutung der Medien, in die allgemeinen Verfassungsprinzipien und die Mediengrundrechte. Schon hier zeigt sich, dass Medienrecht zu einem großen Teil Öffentliches Recht ist und nur zu einem gewissen Anteil zivilrechtlicher Natur ist. Fechner beschreibt zunächst die Rechtsgrundlagen für das Presse-, Rundfunk- und Multimediarecht. Unter Multimediarecht versteht er hier das Recht der Neuen Medien, also u.a. auch das Online-Recht. Dann geht er auf die in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsene Bedeutung der Medien ein (Stichwort: Die Presse als 4. Gewalt). Anschließend werden einzelne Verfassungsprinzipien (Demokratie, Bundesstaat, Rechtsstaat, Sozialstaat u.a.) angesprochen und die "Mediengrundrechte" erläutert. Gerade dieser Teil zeigt, dass Fechner an einer laiengerechten Aufbereitung des komplexen Stoffes gelegen ist. Auch oder gerade Nichtjuristen gehören zu seinem Zielpublikum. Dies schlägt sich in auch in seinem Stil und seinen Beispielen nieder. So verzichtet er vollständig auf Fussnoten und bietet anstatt dessen lieber am Ende eines jeden Kapitels weiterführende Literatur an. Auch werden am Ende eines jeden Abschnitts noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse kurz zusammengefasst und grafisch hervorgehoben.

Im weiteren geht der Autor dann auf die Abwehrrechte und den Rechtsschutz gegenüber den Medien ein. Ausführlich werden die unterschiedlichen Verletzungen des Persönlichkeitsrechts angesprochen. Besonderer Wert wird vor allem auf der Herausarbeitung des zulässigen Rechtsbehelfs (Unterlassung, Gegendarstellung, Berichtung, Richtigstellung, Schadensersatz, Schmerzensgeld) gelegt.

Anschließend wird das Medienurheberrecht (Umfang, Grenzen, Rechte) erläutert. In einem leider etwas stark komprimierten Abschnitt wird sich so unterschiedlichen Gebieten wie dem Jugendschutz, dem Datenschutz, dem Medienwettbewerbsrecht und dem Medienstrafrecht auseinandergesetzt. Nicht unberücksichtigt bleibt auch der europäische und internationale Bezug zur Medienordnung (EG-Vertrag, Völkerrecht und internationale Abkommen).

In einem "Besonderen Teil des Medienrechts" genannten Bereich differenziert Fechner zunächst nach Art der Veröffentlichungsform: Periodische Presse, Buch, Rundfunk, Film und Multimedia. Insbesondere diese gelungene Unterscheidung hebt den Band gegenüber vergleichbaren Werken ab. Denn damit gelingt dem Autor eine auf Anhieb verständliche Gliederung, anhand derer sich der Leser in optimaler Weise orientieren kann.

Gerade dieser Teil zeigt, dass Medienrecht kein neues Rechtsgebiet ist, sondern vielmehr eine Querschnittsmaterie aus Altbekanntem: Alter Wein in neuen Schläuchen. Schon der Umfang von annäherend 400 Seiten beweist, dass Fechner daran gelegen ist, einen Überblick über alle Bereiche zu bieten. Natürlich geht eine solche Erörterung der Breite immer zu Lasten der Tiefe. Viele Dinge können nur angerissen und aufgezeigt werden. Dennoch gelingt dem Autor durchgehend eine erstaunlich tiefgehende Problemdarstellung. Somit ist der Band weitaus aus mehr als eine bloße Einführung.

Gesamtergebnis:
Der Band gehört inzwischen unbestritten zu den führenden seiner Zunft - und dies zurecht. Neben der hervorzuhebenden Aktualität überzeugt das Werk sowohl aufgrund seiner thematischen, unproblematisch nachvollziehbaren Gliederung als auch wegen seines besonderen, leicht verständlichen Stils.

Eine Rezension von Dr. Martin Bahr


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